Die labyrinthische Sprechsituation

Erschienen in: Gérard Raulet / Burghart Schmidt (Hg.), Vom Parergon zum Labyrinth. Untersuchungen zur kritischen Theorie des Ornaments, Böhlau Verlag Wien Köln Weimar 2001, S. 187-200

von HARALD LEMKE

Der antike Künstler Dädalus gilt einerseits als der Erfinder des Labyrinths. Andererseits ist historisch nicht eindeutig bezeugt, wann und wo Dädalus gelebt hat, auch ist unklar, welches seine Werke und Erfindungen im einzelnen sind1. Wegen dieses mythischen Ursprungs der historischen Figur des Dädalus wirkt selbst schon die Entstehungsgeschichte des Labyrinths labyrinthisch-verworren. Damit deutet sich an, worum es mir im folgenden geht: nämlich um den Sachverhalt, daß „das Labyrinthische“ mit seiner narrativen Durchdringung verbunden scheint und so eigens erfahrbar ist. Der Zusammenhang zwischen der Erfahrung des Labyrinthischen und einem Erzählen des Labyrinthischen eröffnet sich die Möglichkeit, ein eigenes – weder klassisches noch modernes – Verständnis des Verhältnisses von Ornament und Sprache zu gewinnen. Damit möchte ich dem Prozeß sprachlichen Ornamentalisierens – man könnte hier auch von Orna-mentalität sprechen –, zum einen eine eigene Bedeutung verleihen und zum anderen seinen aktuellen Wert für die sinnhafte Bewältigung erlebter Labyrinthik (labyrinthischen Erlebens) hervorheben.

Dädalus und das Labyrinthische

Vorweg gilt es die Wirrnis bei der Geburt des Labyrinths zu Kreta in ihren Verwicklungen nachzuerzählen. Hier geht es weiter…