Der wahre Geschmack des Zen Zur japanischen Weg-Kunst des Essens – ryôridô

erschienen in: Polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren, 2007, Heft Nr. 16

von Harald Lemke

Beginnen wir mit einem Kôan; es wird das folgende Beispiel vorgelegt: Auf einem Bild ist der französische Philosoph Michel Foucault in einem japanischen Zen-Kloster, mit einer Mönchsrobe bekleidet und mit seinem kahl rasierten Schädel wie ein Zen-Meister wirkend, zu erkennen. Foucault – zu diesem Zeitpunkt bereits »der große Philosoph«1 (und als Franzose der Kulturattaché des Landes der Haute Cuisine) – ist gerade im Begriff, aus einem Kochtopf zu essen. Die Essschale in der einen Hand, einen großen leeren Löffel in der anderen Hand, schöpft er aus dem Eintopf, so als ob er Zen-Weisheit »mit Löffeln essen« wolle. Hier geht’s weiter…